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75 000 Schweizer Unternehmen haben ein Nachfolgeproblem

| Februar 11, 2020

Nächste Generation bitte! Papa oder Mama baut ein Unternehmen auf, Sohn oder Tochter übernimmt. Klingt eigentlich einfach, ist in der Realität aber komplizierter als gedacht. Bisnode hat untersucht, wie viele Unternehmen in der Schweiz eine offene Nachfolge haben. Die Zahl ist viel höher, als man denken würde. 75 000 Unternehmen müssen sich jetzt oder bald mit der Übergabe an die nächste Generation auseinandersetzen.

Eine Firma vom Vater oder von der Mutter zu übernehmen, ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Viele Aussenstehende unterschätzen diese Bürde und Aufgabe oder sind ganz einfach neidisch. Es sei halt bequem, wenn einem das Glück in den Schoss falle. «Beruf: Sohn», lautet oft der abschätzige Kommentar. Doch eine Firma zu übernehmen, ist in der Regel alles andere als einfach. Ein Unternehmen zu führen, bedeutet viel Arbeit und Verantwortung übernehmen. Nicht alle packen das. Es gibt immer wieder Nachfolger, die der Aufgabe nicht gewachsen sind und die Geschäftsführung wieder abgeben. Das wiederum gefährdet den Fortbestand der Firma und der Arbeitsplätze. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich frühzeitig und gewissenhaft um die Nachfolge zu kümmern.

Es gibt aber auch den anderen Fall, nämlich wenn der Geschäftsführer, oft der Patron, es nicht schafft, sich zurückzuziehen. Er hat sein Leben damit verbracht, sein Unternehmen aufzubauen und dabei all sein Herzblut hineingesteckt. Sich zurückzuziehen und die Verantwortung abzugeben, fällt daher vielen sehr schwer.

So oder so ist die Überführung eines Unternehmens auf die nächste Generation eine komplexe und oft emotionale Angelegenheit. Um alles sauber zu regeln und die Übergabe einwandfrei über die Bühne zu kriegen, ist eine Vorlaufzeit von 5 Jahren nötig. Alle Manager, die 60 Jahre alt sind, müssen sich daher bereits jetzt um die Nachfolge kümmern.

Die Alternative? Kümmert man sich nicht, oder viel zu spät, dann droht im schlimmsten Fall die Firmenpleite und somit Liquidation. Wenn man bedenkt, dass 75 000 Unternehmen allein in diesem Jahr vor der Nachfolgeregelung stehen, dann wird einem die volkswirtschaftliche Bedeutung dieses Themas bewusst. Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Know-how sind gefährdet und gehen im schlimmsten Fall verloren.

Die Möglichkeiten der Firmenübergabe

Es gibt 2 Möglichkeiten für die Weitergabe eines Unternehmens. Entweder führen eine oder mehrere Personen innerhalb der Familie das Geschäft weiter oder jemand ausserhalb. Dabei gibt es 3 Arten der Übertragung.

  • FBO (Family Buy-out): Familienmitglieder führen das Unternehmen weiter.
  • MBO (Management Buy-out): Das bisherige Management führt das Unternehmen weiter.
  • MBI (Management Buy-in): Ein neues Management führt das Unternehmen weiter.

Der ideale Zeitpunkt, um sich um die Fortführung einer Firma zu kümmern, ist mit 60, also 5 Jahre vor der Pensionierung oder dem Rückzug des Inhabers.

Die KMU-Nachfolgestudie 2020

Bisnode nimmt jedes Jahr die aktuelle Situation bei den Nachfolgeregelungen unter die Lupe. Als Kenngrösse gilt das Alter der Inhaber oder Gesellschafter. Wenn sie 60 Jahre oder älter sind, dann besteht bei diesem Unternehmen eine potentiell offene Nachfolgeregelung.

Insgesamt ist bei 13% der über 570 000 untersuchten Schweizer Unternehmen die Nachfolge nicht geregelt, das sind total 75 038 Firmen. Darunter sind knapp 70 000 Unternehmen mit 1 bis 9 Mitarbeitern, knapp 5100 Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeiter und 340 mit über 50 Mitarbeitern. Am akutesten ist die Situation bei Einzelfirmen. Bei jeder Fünften ist die Übergabe noch nicht geregelt.

 

Anzahl Mitarbeitende Anzahl untersuchte Unternehmen Anzahl Unternehmen mit offener Nachfolge Anteil Unternehmen mit offener Nachfolge
1 bis 9 527 767 69 601 13.2%
10 bis 49 40 338 5 097 12.6%
50 bis 249 5 524 340 6.2%
Total 573 629 75 038 13.1%

 

Die Unterschiede bei den Regionen sind hingegen nicht signifikant. Den höchsten Anteil hat die Nordwestschweiz mit rund 15%, den kleinsten das Tessin mit rund 10% Unternehmen mit Nachfolgeproblem.

Auch bei den Branchen gibt es Differenzen. Am stärksten von ungelösten Nachfolgen ist das Druck- und Verlagsgewerbe betroffen. Das gilt für jeden fünften Betrieb in diesem Bereich. Am wenigsten offene Nachfolgen verzeichnen mit rund 8% die persönlichen Dienstleistungen.

Die Studie gratis downloaden

Wenn Sie alle Zahlen und die Methodik der Studie genau studieren möchten, dann laden Sie die Studie kostenlos als PDF herunter. Sie enthält die detaillierten Zahlen zu den folgenden Punkten.

  • Offene Nachfolge nach Unternehmensgrösse
  • Offene Nachfolge nach Rechtsform
  • Offene Nachfolge nach Region
  • Offene Nachfolge nach Branche

Die komplette Liste mit allen 75 000 Unternehmen

Bisnode hat die Studie im Januar 2020 durchgeführt und über 75 000 Unternehmen mit einer offenen Nachfolge identifiziert. Die Liste mit diesen Firmen ist kostenpflichtig erhältlich. Für mehr Infos und die Bestellung schreiben Sie bitte ein E-Mail an christian.wanner@bisnode.com.

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